Posterous theme by Cory Watilo

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Wider die großen Worte

Auf Zeit.de findet sich (jedenfalls soweit dies der OCR-Software möglich war) ein Artikel von Karl Popper, in dem er seine Kollegen kritisiert, sich zu unklar auszudrücken. Dies zum Teil mit voller Absicht, um den eigenen Gedanken Gewicht zu verleihen.
Was ich 'die Sünde gegen den heiligen Geist genannt habe — die Anmaßung des dreiviertel Gebildeten —, das ist das Phrasendreschen, das Vorgeben einer Weisheit, die wir nicht besitzen. Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so „tiefen" Buch Gedanken zu finden, die er schon selbst einmal gedacht hat. (Wie heute jeder sehen kann — des Kaisers neue Kleider machen Mode!)
Vor kurzem erreichte mich eine Email mit einer Einladung zu einem Gender-Workshop in Frankfurt. Kostprobe:
Wird die Normativität der dualistisch angelegten Geschlechter-Matrix aufgehoben? Inwiefern ist eine Diversifizierung der Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder festzustellen? Wie wirkt sich die Pluralisierung der Lebensstile aus? Was bedeutet die zunehmende Differenzierung innerhalb der Gruppen der Frauen und Männer und welche Bedeutung haben dabei Machtrepräsentationen im Spannungsfeld der Intersektionalität?
Die Geschlechtermatrix kann übrigens manchmal auch binär oder bipolar sein! Hier übergebe ich wieder an Popper, der wiederum Goethe zitiert:
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.